Tag 6

Heute ist mir eigentlich gar nicht zum Schreiben zu Mute. Erst erfahre ich, dass ich den Gips noch eine Weile drum lassen muss, was noch nicht mal das schlimmste war. Dann unterhalte ich mich mit einem Mädchen, das gerade mal 11 Jahre alt ist und sie sagt mir, dass sie sterben wird. Das hat mich total runtergezogen. Sie weiß, dass sie sterben wird und ich weiß immer noch nicht, wie sie damit umgehen kann. Jeder wird irgend wann mal sterben, aber doch nicht mit 11 oder noch jünger und schon gar nicht so.

Ich bin noch immer nicht in der Welt der krebskranken angekommen. Ich gehöre hier nicht hin. Die müssen sich irren. Ich will leben und nicht in ein paar Monaten einem anderen Mädchen sagen müssen, dass ich sterbe.

Seit ich mit dem Mädchen gesprochen habe, kann ich nicht mehr aufhören zu weinen. So langsam verstehe ich, was das alles wirklich bedeutet. Das schlimme ist, man kann es nicht beschreiben. Man liest etwas, legt es an die Seite und lebt sein normales Leben weiter. Ich kann das nicht. Für mich bleibt es heute so und morgen auch. Ich muss hier sehen, wie Kinder zum sterben nach Hause gehen. Ja, die meisten werden wieder gesund, aber was ist mit denen, die es nicht schaffen. Vergisst man die auch einfach so?

Mir geht es gerade richtig schlecht. So ist es wenn man Krebs hat?

Mama und Papa ich brauche euch jetzt gerade ganz doll. Ich wollte stark sein für euch, aber jetzt brauche ich euch!!!

9 Responses to “Tag 6”

  1. Lars sagt:

    Hallo Jule, das war sicherlich ein großer Schock. Ich wünsche dir und vorallem dem Mädchen VIEL Kraft beim Kampf. Vielleicht geschieht ein Wunder.

  2. Graessi sagt:

    Liebe Jule,

    niemals wird man die Menschen vergessen, die man während der Krankheit kennen gelernt hat, mit denen man den ganzen Schmerz und das ganze Elend geteilt hat. Aber nicht nur das: Man teilt auch das Lachen, die schönen Momente… das wirst du nach und nach auch erleben und erfahren. Ich habe während der letzten knapp 2 Jahre viele Mädels kennen gelernt- manche haben es geschafft, haben den Krebs besiegt. Manche haben es nicht geschafft, sie sind jetzt als Sterne am Himmelszelt und passen von dort auf uns auf. So ist auf jeden Fall meine Vorstellung. Jede Einzelne hat einen Platz in meinem Herzen und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke.
    Wenn du mal Jemanden zum Reden brauchst, melde dich. Wir onko-kids verstehen uns meist ohne große Worte, denn wir haben alle den gleichen Kampf vor oder hinter uns oder sind wie du, mitten drin.

    Alles Liebe für dich!!!

  3. Julchen sagt:

    Danke, für deine sooo lieben Worte. Mir kamen wer in paar Tränchen, weil du so schön geschrieben hast. Danke!!!
    Darf ich dich verlinken? Ich habe gerade einen kurzen Blick auf deine Seite geworfen und nehme mir jetzt die Zeit, um “dich“ kennen zu lernen.
    Dir auch alles Liebe 🙂
    Jule

  4. Graessi sagt:

    Klar darfst du mich verlinken! Und wie gesagt, melde dich, wenn du Jemanden zum Reden, Schweigen, Lachen, Weinen brauchst!
    Bis bald (vielleicht im onko-kids-chat?)

  5. Julchen sagt:

    Cool, das wäre toll. Leider ging es mir am Donnerstag nicht so gut, aber nächsten Donnerstag bin ich da… Und wenn ich mich auf den Boden legen muss 🙂
    Ich freue mich 🙂

  6. Graessi sagt:

    Dann schau ich, dass ich es Donnerstag auch schaffe, bin nach der Arbeit ab und an mit einer Arbeitkollegin noch etwas essen und dann erst spät daheim. Wenn du magst, können wir aber auch gleich noch schreiben. So um 17.30 im Chat?
    Liebe Grüße

  7. Julchen sagt:

    Schade, ich habe geschlafen. Aber ich würde mich freuen, wenn wir noch einen Tag finden. Muss ja nicht Donnerstag sein. Wann könntest du denn am besten?
    LG Jule

  8. Graessi sagt:

    Wenn Du magst, können wir jetzt noch schreiben. In der Woche kann ich es immer erst kurzfristig absehen, weil ich manchmal länger arbeite oder spontan noch was mit Arbeitskolleginnen mache. Da müssen wir dann mal mailen und schauen, ob es am Abend klappt.
    LG

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