Tag 27

Gestern wollte ich euch Santi vorstellen, aber ich war so müde. Hole ich heute natürlich nach.

Santi heißt eigentlich Sanjanta und ist ein saddle horse, ein englisches Vollblut.

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Er gehört mir jetzt seit 3 Jahren. Als ich 11 war habe ich mit dem reiten angefangen. Ich reite keine Turniere oder so. Auf Santi habe ich das Reiten gelernt und zimlich schnell wurde Santi gekauft. Es sollte ein Geburtstagsgeschenk werden, aber ich habe ihn 2 Monate früher bekommen. Als mir meine Eltern gesagt haben, dass Santi jetzt mir gehört, konnte ich es erst gar nicht glauben.

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Hier ist Santi mit Mr. Moon. Er ist ein Mitläufer. Die Besitzer von dem Hof haben ihn aus einer ganz schlechten Haltung geholt und heute hat er sich ganz prima gemacht. Jeder kümmert sich mal um ihn.

Ja und nun noch was zur Therapie.

Ich habe auf den Plan geguckt. Heute bekomme ich die 9. Chemo. Vincristin und Daunorubicin. Vincristin läuft gerade. Mein Mund tut immer noch höllisch weh. Alles ist wund. Ich habe so ein Hunger und das essen tut so weh 🙁 Die Schwester sagt immer, dass ich mit dieser Lösund den Mund ausspülen soll. Was glaubt sie denn, was ich damit mache? Die Blumen gieße, die es hier nicht gibt?

Meine Thrombos sind heute das erste Mal über 100 000. Sie haben direkt einen Sprung auf 150 000 gemacht. Ist das nicht mal ein guter Wert?

So langsam macht sich Angst bei mir breit. Bald ist Tag 33. Wieder ein ganz wichtiger Tag. Da wird dann entschieden wie es weiter geht.

Habe ich eigentlich schon geschrieben, dass ich rosa gepinkelt habe? Gut, dass man mich vorgewarnt hat, sonst hätte ich einen echten Schrecken bekommen.

Mit meiner Glatze komme ich immer noch nicht zurecht. Ich wünsche mir, ich könnte schon so weit wie das Mädchen aus dem Spiegel sein. Ihr sehe ich es an, dass sie versucht, gegen den Krebs zu kämpfen. Ich fühle mich einfach nur krank. Ich sehe mich ja auch nicht den ganzen Tag. Wie A. schon geschrieben hat, es ging einfach alles viel zu schnell.

Jetzt versuche ich was zu essen. Ich habe Hunger.

5 Responses to “Tag 27”

  1. A. sagt:

    Liebe Jule,
    Santi ist wunderschön! Toll, dass du ihn hast…ich liebe Tiere auch über alles. Ich hab dir unten noch was reingeschrieben…und dass du dich krank fühlst, das liegt auch daran, dass du kämpfst, auf allen Ebenen und in alle Richtungen…
    Alles Liebe, Antje (die zwar Pferde sehr gern mag, aber auch ein bisschen, äh, Respekt hat vor ihnen…)

  2. Lars sagt:

    Ich schließe mich Antje gerne an, hatte dir ja auch schon eine E- Mail geschrieben, dass du dieses Mädchen im Spiegel an die „Hand“ nehmen sollst und zusammen mit ihr den Kampf angehen sollst. Zusammen werdet ihr es schaffen.

    Gruß

    dein Lars

  3. Karin sagt:

    Hallo Jule!

    Du bist ein echt tapferes Mädchen! Weiterhin wünsche ich dir alle Kraft der Welt, damit du deine Krankheit besiegen kannst. Glaub mir, an die fehlenden Haare gewöhnt man sich irgendwie (bin seit fast 4 Jahren haarlos unterwegs), auch wenn es immer wieder schwer fällt, in den Spiegel zu schauen. Von mir habt ihr Kinder die allergrößte Bewunderung, wie ihr mit eurer Krankheit klar kommt.
    Auch wenn es dir jetzt schwer fällt daran zu denken, es kommen wieder bessere Zeiten, in denen du dich besser fühlen wirst.

    Dein Pferd ist eine echte Schönheit! Kannst stolz sein, so ein Tier zu haben.

    Ich bin selbst zwar kein Kind mehr, kämpfe aber auch schon seit 4 Jahren gegen eine bösartige Erkrankung und habe drei Kinder in deinem Alter, wovon eines einen jahrelangen Überlebenskampf führte und gewann.
    Mein Name ist Karin und ich züchte mit Leidenschaft Deutsche Schäferhunde. Dank meiner Familie und vieler guter Freunde musste ich das trotz vieler Krankenhausaufenthalte nicht aufgeben.

    Kopf hoch und alles Liebe

    Karin
    (karin.kohlfuerst@a1.net)

    „immer wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!“

  4. Julchen sagt:

    Liebe Karin!
    Danke für deine lieben Worte.
    Na ja, so richtig gut kann ich mit meiner Krankheit nicht umgehen. Heute bin ich ganz bewusst über die Station gegangen und dabei habe ich nicht auf den Boden gesehen. Ich habe mich umgesehen und habe die Kinder beobachtet. Dann muss ich dir recht geben. Die Kiddies flitzen da rum… Wahnsinn!
    Ich habe auch welche in meinem Alter gesehen… 🙂 Vielleicht bin ich ja irgendwann mal so mutig und gehe auf sie zu.
    Die deutschen Schäferhunde sind doch die mit dem längeren Fell oder? Die mag ich, aber lieber noch mag ich Chihuahuas. 🙂 das sind die Kleinen. Nicht weil es Modehunde sind, sondern weil ich einfach den Charakter mag.
    Schön, dass du das Hobby nicht aufgeben musstest. Meine beste Freundin ruft mich noch nicht mal an 🙁
    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend.
    Liebe Grüße
    Jule

  5. Karin sagt:

    Hi Jule!
    Ja, die Deutschen Schäferhunde haben ein etwas längeres Fell. Sicher hast du mal was von der Fernsehserie „Komissar Rex“ gehört. Das ist ein klassischer deutscher Schäferhund. Hier kann ich leider keine Bilder einfügen. Sonst hätte ich dir welche von meiner Bande geschickt.
    Chihuahuas sind ganz liebe kleine Zwerge. Ich mache aber Gebrauchshundesport mit den Schäferhunden. Dafür wäre so ein süßer Chihuahua doch zu klein…

    Mir fällt es auch schwer, auf andere „Leidensgenossinnen“ zuzugehen… Da verstehe ich dich total. Auch im Alltag ist es nicht immer einfach, wenn einem die Krankheit sofort anzusehen ist. Derzeit darf ich nur mit Mundschutz außer Haus und werde oft wie eine Außerirdische angeklotzt… Ich denke, so richtig gewöhnen kann man sich an das „Anders sein“ nicht. Man kann nur das Beste daraus machen – und das schaffst auch du bestimmt.

    Was die Freunde angeht, sieht man, wenn es einem so schlecht geht, wer die echten Freunde sind. Das ist leider so…
    Viele Gesunde können schwer mit bösartigen Krankheiten umgehen und wählen dann den einfacheren Weg, sich einfach nicht mehr zu melden…

    Halte weiterhin die Ohren steif und den Kopf hoch!

    Liebe Grüße und vielleicht bis bald

    Karin

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